Schwarzwald
- Der Holländer Michel I

Der Holländer Michel
Was Märchendichter Wilhelm Hauff über die Flößerei im Schwarzwald schrieb, traf ganz korrekt zu. Nur mit seinem "Holländer Michel" hat er, so ist zu befürchten, ein wenig übertrieben. Er lässt einen alten Holzfäller erzählen:
"Es lebte ein reicher Holzherr, der viel Gesind hatte; er handelte bis weit in den Rhein hinab, und sein Geschäft war gesegnet. Kommt eines Abends ein Mann an seine Türe, dergleichen er noch nie gesehen. Seine Kleidung war wie die der Schwarzwälder Burschen, aber er war einen guten Kopf höher als alle, und man hatte noch nie geglaubt, dass es einen solchen Riesen geben könne. Dieser bittet um Arbeit bei dem Holzherrn, und der Holzherr, der ihm ansah, dass er stark und zu großen Lasten tüchtig sei, rechnet mit ihm seinen Lohn, und sie schlagen ein. Der Michel war ein Arbeiter, wie selbiger Holzherr noch keinen gehabt. Beim Baumschlagen galt er für drei, und wenn sechs am einen Ende schleppten, trug er allein das andere. Als er aber ein halb Jahr Holz geschlagen, trat er eines Tages vor seinen Herrn und begehrte von ihm: "Hab jetzt lang genug hier Holz gehackt, und so möcht ich auch sehen, wohin meine Stämme kommen, und wie wär es, wenn Ihr mich auch mal auf das Floß ließet?"
Der Holzherr antwortete "Ich will dir nicht im Weg sein, Michel, wenn du ein wenig hinaus willst in die Welt; zwar beim Holzfällen brauche ich starke Leute, wie du bist, auf dem Floß kommt es auf Geschicklichkeit an; aber es sei für diesmal!"
Und so war es; der Floß, mit dem er abgehen sollte, hatte acht Glieder, und waren im letzten von den größten Zimmerbalken. Aber was geschah? Am Abend zuvor bringt der lange Michel noch acht Balken ans Wasser, so dick und lang, als man keinen je sah, und jeden trug er so leicht auf der Schulter wie eine Flözerstange, so dass sich alles entsetzte. Wo er sie gehauen, weiß bis heute noch niemand. Dem Holzherrn lachte das Herz, als der dies sah; denn er berechnete, was diese Balken kosten könnten; Michel aber sagte: "So, die sind für mich zum Fahren; auf den kleinen Spänen dort kann ich nicht fortkommen."
Weiter: Der Holländer Michel - Teil II
- Mönche im schwarzen Wald: Geschichte
- Klöster, Dörfer, Burgen: Mehr Geschichte
- Unedle Edelleute: Noch mehr Geschichte
- Ein einig Land: Das Ende der Geschichte
- Mit dem Chilbibock: die Brauchtumsfeste
- Wo der Bollenhut erfunden wurde
- Nostalgischer Kopfputz: Chappi und Schäppel
- Narren und Hexen: die Fasnet
- Preisschnurren und Narrenmesse
- Narrenfreiheit ist überall
- Wie es im Schwarzwald richtig tickte
- Drei Meter Kuckucksuhr
- Die gute alte Zeit
- Bis alles Pulver verschossen war
- Ein Viertele Simplizissimus, bitte!
- Der Dichter und Kalendermacher
- Das Schatzkästlein des Hausfreunds
- Die Glasmacher...
- ... und die Flözer
- Als das Wasser noch Balken hatte: Die Flößerei
- Die Hundert-Meter-Flöße mit den Wildbachflößern
- Die "Riesen": Rutschbahnen fürs Holz
- Der Holländer Michel
Volltextsuche