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Schwarzwald - Die "Riesen": Rutschbahnen fürs Holz

Die "Riesen": Rutschbahnen fürs Holz

Die Ländergrenzen brachten Schwierigkeiten. Auf der oberen Murg zum Beispiel verlief zwischen Schönmünzach und Forbach die Grenze zwischen Baden und Württemberg.

RieseWeil württembergisches Holz damals nicht über badisches Gebiet transportiert werden durfte, kam es dahin, daß eine Zeitlang das Floßholz oberhalb von Klosterreichenbach (nördlich von Freudenstadt) aus der Murg gezogen und mit Pferden und Ochsen über Igelsberg zur Einbindestelle an der Nagold geschleppt werden mußte. Das ging hinauf und hinunter. Damit die Stämme bergauf leichter gleiten konnten, war der Weg bis zur Höhe mit Querhölzern aus 12 000 jungen Tannen, den Bruckhölzern, belegt; er hieß deshalb Bruckholzweg. Für die mächtigen Holländerstämme brauchte man bergauf besonders starke Pferde; das andere Holz übernahmen die Ochsen, denen zum sicheren Tritt auf den Bruckhölzern die Klauen geritzt worden waren. Die Anlage, das "Thannenfuhrwerk", war von 1746 bis 1785 in Betrieb.

Oft galt es, Holz, das in hochgelegenen Hängen geschlagen wurde, zu einem Fluß hinunterzuschaffen, wo man es flößen konnte. Die Forstleute bauten Rutschbahnen fürs Holz, die "Riesen"; auf denen donnerten die entasteten und entrindeten, oft 30 Meter langen Stämme mit Geschwindigkeiten von 70 oder 80 Stundenkilometern zu Tal. In den Kurven war die äußere Wand - die Prallwand - wie eine Bobbahn überhöht, damit die Stämme nicht hinausschossen. Bäche, Mulden oder morastiges Gelände wurden mit brückenähnlichen Pritschen überquert. Solche Riesen waren im Schwarzwald noch vor 50 Jahren im Gebrauch. Um die Jahrhundertwende soll es ein mächtiges Riesen-Netz von mehreren tausend Kilometern Länge gegeben haben. Manche Riesen waren so raffiniert gebaut, daß man das Holz mit Hilfe von Weichen beliebig dirigieren konnte.

Heute wird im Schwarzwald keine Riese mehr benutzt. Aber wer sehen will, wie sich solch eine gigantische Rutschbahn in der Landschaft ausnimmt, braucht nur an den Glaswaldsee zu fahren. Der liegt - südwestlich von Freudenstadt, zwischen Peterstal und Bad Rippoldsau - mitten im Wald.

Von Schappach bis Bad Rippoldsau führen Wanderwege hin. Gleich beim See hat die Forstdirektion Karlsruhe eine Riese nachbauen lassen - oder wenigstens ein 600 Meter langes Teilstück, von oben bis unten aus glatten Baumstämmen zusammengesetzt. Und das Modell einer Riese sehen Sie im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof bei Gutach.

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