Schwarzwald - Die Fasnet
Narren und Hexen: die Fasnet
Mit
rheinischem Karneval und bayrischem Fasching hat die schwäbisch-alemannische
Fasnet nur wenig zu tun. Sie hat uralte, mancherorts schon seit
dem Mittelalter nachgewiesene Tradition. In jeder Stadt, in jedem Ort wird
sie auf andere Art gefeiert. Da gibt es kein Faschingsprinzenpaar und auch
kein Funkenmariechen, stattdessen aber altüberlieferte Narrengestalten
mit kunstvoll gearbeiteten Holzmasken und Kostümen. Die werden meist
vom Vater auf den Sohn vererbt - neuerdings auch auf die Tochter, denn immer
mehr Mädchen sabotieren das bislang ausschließlich männliche
Privileg, an der Narretei teilzunehmen.
Das bekannteste Narrennest des Schwarzwalds ist Rottweil, die schmucke, einstmals Freie Reichsstadt hoch überm Neckartal. Der berühmte Rottweiler Narrensprung fand bis vor wenigen Jahrzehnten ausschließlich am Fastnachtsdienstag in aller Frühe statt. Doch aus dem bis dahin eher lokalen Bürgerfest ist allmählich eine touristische Attraktion geworden. So viele Auswärtige kamen, um dem Treiben zuzuschauen, daß die Rottweiler beschlossen, den Narrensprung auch am Rosenmontag stattfinden zu lassen - und zwar gleich mehrfach: montags um acht und um zwölf, dienstags zusätzlich noch nachmittags um zwei.
So muß sich das bedauernswerte "Brieler Rößle" insgesamt fünfmal mit Peitschenhieben durchs Schwarze Tor, quer durch die malerische Rottweiler Altstadt und zurück treiben lassen. Die Treiber legen es darauf an, ihm die Gänsefedern vom Kopf zu schlagen, was das Rößle durch wilde Seitensprünge zu verhindern sucht - denn wenn es alle Federn verliert, muß der Mann, der im Pferdekostüm steckt, später im Wirtshaus die Zeche bezahlen.
Nach dem "Brieler Rößle" und seinen Treibern drängen Hunderte von Rottweiler Narren durchs Tor: der "Gschell" mit seinen schweren Glocken, der "Federehannes" (ein häßlicher Geselle, der mit Hilfe seines Stocks hohe Sprünge vollführt und den Mädchen unter die Röcke fährt), der "Schantle", der aus einem schöngemalten Narrenbuch Schändliches und Spöttisches vorliest, der "Narro", der Zuschauer verulkt und dann mit Bonbons versöhnt, und das liebe Fransenkleidle, das Kinder mit Obst und Süßigkeiten beschenkt. Von jeder Narrensorte, ob mit glatter, freundlicher oder bissiger Larve, gibt es Dutzende. Und viele gleichen sich wie ein Ei dem anderen.
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